Vom Winde verweht

Der Doubleheader in Hünenberg stand unter keinem guten Stern. Eigentlich sollten hier Siege eingesammelt werden, aber das Löwenrudel war arg dezimiert und dann öffnete auch noch der Himmel seine Schleusen…

Trotz Züri-Fäscht, Caliente und vielen anderen Samstags-Veranstaltungen, die den Abwesenden als Ausrede dienten, fanden sich doch 9 Lions in Hünenberg ein, um das schwere Auswärtsspiel gegen die sich im Aufschwung befindenden Unicorns zu bestreiten. Allerdings hat Ramon schon angedroht, dass er sein Team für das zweite Spiel verlassen werden muss, denn die Arbeit rufe laut. Also haben sich die Coaches beider Teams einen einmaligen Deal ausgedacht: Die Schweizer-Pitcher-Regel für Spiel 1 wird aufgehoben und im Gegenzug entsenden die Unicorns ein Einhorn in unser Löwenrudel für das zweite Spiel.

Nach diesen zähen Verhandlungen wurde dann Baseball gespielt – und die Lions starteten furios. Durch einen Lead-Off-Hit-By-Pitch kam Michi auf Base und wurde schliesslich durch Marios Sac-Fly nach Hause gebracht. Unbeobachtet von den meisten Anwesenden hat es Pitcher Nelson geschafft sich bei Marios Schlag auf der zweiten Base ausmachen zu lassen, und so musste er auch gleich den Mound besteigen. Wie durch ein Wunder gelingt es Nelson trotz dreier Walks keinen Punkt zuzulassen. Als Ausrede führt der pfiffige Ökologie-Student an, dass das Wetter zwar nicht heiss, aber doch sehr feucht, fast tropisch sei. Im nächsten Inning wird Ramon kurz vor dem Ziel an der Home-Plate ausgemacht. Dafür findet Nelson zu alter Stärke und lässt nur einen Walk (und wieder keinen Punkt) zu. Im dritten Inning Inning hämmert Ramon mit einem 2-Out-RBI den gewalkten Michi nach Hause und baut die Führung auf 2:0 aus. Doch auch die Unicorns kommen im dritten Inning zu ihrem ersten Punkt. Im 4. Inning passiert punktemässig nicht viel, obwohl die Unicorns-Schlagmänner 8 und 9 ihren ersten Basehit gegen den langsam ermüdenden Nelson feiern können. Mögen sie an den eingesammelten und zur Trophäe gewordenen Bällen lange Freude haben! Die Lions-Offensive wird immer fahriger und schwingt sehr zum Ärger von Markuuus auf zu viele schlechte Pitches. Ganz anders die Unicorns. Sie bringen ihre Schlagmänner auf Base, wobei es ausgerechnet die grössten Hupen sind, denen der inzwischen eingewechselte Pitcher Mario einen Walk gibt. So kommen zwei Punkte ins Ziel und die Lions liegen erstmalig zurück. Doch sie zeigen Moral. Durch ein RBI-Double auf die Gummi-Bahn im Leftfield schlägt Spielercoach Benji den Ausgleich nach Hause – doch das war dann schon die ganze Clutch-Leistung. Die Lions agieren in Folge auch defensiv fahrig: Nach zwei miserablen Würfen auf 1, die Markuuus bravurös ausgräbt, ist der dritte Wurf noch schlechter und führt dazu, dass die Einhörner einen Punkt nachlegen können. Im letzten Inning laden die Lions die Bases. Dann allerdings fehlt gegen den schnellen, aber wilden Closer der Unicorns der unbedingte Siegeswille. Der einzige Punkt – und Ausgleich – kommt durch einen Wild-Pitch ins Ziel. Somit dürfen die Lions, um eine Verlängerung zu erzwingen, keinen Punkt zulassen. Doch sogleich kommt der Lead-Off auf Base. Der nächste Groundball landet direkt in Marios Handschuh. Alle rechnen mit dem Double-Play, doch Mario bevorzugt die sichere Variante auf 1. Als der nächste Groundball zu Shortstop Manuel kommt, gelingt ihm das wichtige Aus auf 3. Der nächste Schlagmann kommt auf Base und somit ist der Winning-Run in Scoring Position. Und das tut er dann auch, denn der frisch eingewechselte muskulöse Power-Hitter der Unicorns schlägt einen Line-Drive ins Leftfield und bringt das Stadion zum Beben.

Das zweite Spiel beginnt mit einer Überraschung: Ramon bleibt bei seinen Jungs – es muss also keinem Unicorn Zutritt ins gemütliche Lions-Dugout gewährt werden.

Offensiv macht der gegnerische fiese Linkshänder Mäx den Lions gleich mal das Leben schwer, indem er Manuel gemein auf der ersten Base ausmacht. Das trübt natürlich die Stimmung der Lions-Defensive um Pitcher Raffi. Raffi seinerseits feuert in gewohnter Sherriff-Manier dem Gegner einen Pitch nach dem anderen um die Ohren – doch das dritte Aus will nicht gelingen und so kommen drei Punkte für die Unicorns nach Hause. Der fiese Mäx wird immer besser und nach 3 Innings war jeder Löwe einmal aus. Im 4. Inning begann die Schlag-Reihenfolge wieder von vorn, doch auch diesmal fanden die Lions, von denen doch 2,5 unter der Woche das Training besucht haben, kein Mittel. Immerhin stand die Defensive gut und liess auch im 4. Inning keinen Punkt zu, so dass es weiterhin 3:0 für die Hausherren stand.

Alle warteten auf das grosse Comeback der Lions, doch Petrus hatte andere Ideen: Ein gewaltiges Unwetter zog auf und die Lions konnten von ihrem windgeschützten Dug-Out aus beobachten, wie das Feld der Unicorns buchstäblich davongeblasen wurde. Der Wettstreit der Teams wurde auf intellektueller Ebene fortgesetzt, indem Benji (inzwischen schuldenfrei) und der gegnerische Coach auf einem hin-und hergeworfenen Spielball das gute alte X-O-Spiel spielten. Dann kam der gegnerische Coach persönlich vorbei und nach knallharten Verhandlungen wurde das Spiel abgebrochen und die Einhörner auch zum Sieger von Spiel 2 erklärt.

Was soll man sagen? Es ist einfach traurig und Mario hat recht. «Schlah, Schlah, Schlah geht nur mit Trainiere, Trainiere, Trainiere!»

Boxscore Game 1
Boxscore Game 2