Zweimal am Sieg geschnuppert

Wie bereits eine Woche zuvor durften die Lions an diesem Wochenende in die Landeshauptstadt reisen, um zu versuchen beim amtierenden Schweizer Meister den ersten Saisonsieg einzufahren.

Nach einer beachtlichen Defensivleistung beim letzten Aufeinandertreffen wollte man diesmal auch offensiv überzeugen.

Und das gelang – zumindest gegen den unerfahrenen Berner Starting-Pitcher Burkhardt.

Nachdem bereits im ersten Inning Läufer auf 1 und 2 platziert wurden, konnten die Zürcher im 2. Spielabschnitt die grosse Ernte einfahren: 4 Walks, ein Grand-Slam-Homerun durch Moreno und weitere 4 Walks bedeuteten 7 Punkte für die Lions und das Ende der Berner Geschenke für ihre Gäste. Ab dem 3. Inning stand Nationalspieler Tobias Imboden auf dem Mound und es gelang ihm, den Offensivdrang der Lions zu bändigen. Zwar kam Hanel im 3. Inning noch auf Base und schaffte es gar bis auf Base Nummer 3, doch das war dann auch schon die ganze Geschichte der offensiven Lions-Herrlichkeit.

Kommen wir also zur Defensive. Wie schon in der Vorwoche konnten die Lions von Beginn an defensiv überzeugen. Zwar punkteten die Cardinals im ersten Inning zweimal, weil Starting-Pitcher Mario das komplizierte Tag-Play auf 3 dem einfachen Aus auf 1 vorzog, doch dann fingen die Lions an, Baseball zu spielen, machten gar einige Double-Plays und bestraften Fehler der Berner Base-Runner. Bis zum 4. Inning führten die Zürcher 7:2, doch dann hatten sich die Hauptstädter auf Marios trickreiche Würfe eingestellt. Im 5. Inning verbuchten sie 2 Punkte und im 6. Inning gelangen durch ein Double und einen Home-Run zwei weitere Punkte – der Gegner war bis auf einen Punkt dran.

Die nun folgende Szene bedeutete den Wendepunkt des Spiels:
6. Inning, zwei Out. Ein Flyball ins Rightfield konnte von Angelo kurz vor dem Zaun aus der Luft gepflückt werden. Leider konnte Angelo seinen Sturmlauf nicht rechtzeitig bremsen und kollidierte mit dem sehr biegsamen Outfield-Zaun. Sichtbar für alle blieb der zuvor mustergültig gefangene Ball auf dem Zaun liegen. Anstatt zügig weiterzuspielen redeten Angelo und die halbe Lions-Mannschaft auf den Schiedsrichter ein, in der Hoffnung, diesen vom Luft-Aus zu überzeugen. Der Schiedsrichter jedoch war weniger nachgiebig als der Outfield-Zaun und ganz besonders egal war es dem Schlagmann, der bis zur dritten Base durchstartet.
Obwohl diese Szene punktemässig folgenlos blieb, brachte sie doch einen Bruch ins Spiel der Lions. Anstatt konzentriert weiter Baseball zu spielen, versuchten die Lions mit Diskussionen auf den Schiedsrichter zum Erfolg zu kommen. Leider liess sich der Gegner vom Strategiewechsel der Gäste nicht beeindrucken und nutzte die nun folgenden defensiven Schwächen und die offensive Zahnlosigkeit aus, um davonzuziehen und das Spiel mit 16:7 zu gewinnen.
Keinesfalls unterschlagen werden darf an dieser Stelle die grandiose Pitching-Leistung von Mario. Als quasi einziger Schweizer Pitcher warf Mario nach eigenen Angaben bis der “Schmerz unerträglich wurde”. Dies war nach 7 Innings der Fall. Erlöst wurde Mario von Quentin “Q”, der allerdings Probleme hatte, die Strikezone zu finden und in seinem ersten NLA-Inning gleich 6 Walks zuliess.
 
Auch im zweiten Spiel begannen die Gastgeber mit einem Pitcher, der ungefähr das Nati-A-Niveau hat wie die Nati-B-Mannschaft der Lions. Zwar konnte sich der Werfer im ersten Inning schadfrei halten, doch im zweiten Inning erkannten die Löwen die grosse Streuung seiner zugegeben schnellen Würfe und konnten 5 Punkte (2 Walks und 5 Hits) einfahren. Als dann im 3. Inning Leadrunner Angelo gewalkt wurde, war die Geduld der Berner vorbei und ein kräftiger Linkshänder betrat den Mound. Der erste Wurf dieses Fieslings ging dann auch gleich Richtung 1. Base, wo der völlig überraschte Angelo ausgemacht wurde. Wie schon im ersten Spiel bedeutete der Pitcher-Wechsel das Ende der Lions-Offensive.
Würde es den Lions diesmal gelingen, den 5:1-Vorsprung über die 9 Innings zu retten?
Die Antwort auf diese Frage gaben die Zürcher im 4. Inning:
Der Gegner machte 7 Punkte und die Lions 2 Errors. Ob die Knie zu weich waren oder die Arme zu schwer weiss man nicht – sicher ist, dass die Moral der Lions nach diesem Inning im Eimer war. 
Mit hängenden Köpfen spielten die Lions auch dieses 2. Spiel zu Ende. Und das war nach 8 Innings bei einem Endergebnis von 15:5.
 
Kommen wir zur Frage, die man sich nach jedem Nati-A-Spiel der Lions stellt:
Gibt es Hoffnung? 
 
Und wie immer lautet die Antwort auf dieser Homepage:
Ja, natürlich. Im Gegensatz zur Vorwoche wussten die Lions diesmal auch offensiv zu überzeugen. Allerdings darf man nicht nur gegen zweitklassige Pitcher gut aussehen, sondern muss auch in der Lage sein, Spitzenwerfer nervös zu machen. Und dazu muss die Schlagleistung viel besser werden und die Ausstrahlung der Spieler um einiges konzentrierter und cooler.
Falls das gelingt, ist der erste Saisonsieg der Lions nur noch eine Nasenlänge entfernt.
 
Dass es schon am Sonntag, dem 1. Juni, gegen den Stadtrivalen und Tabellenführer Zürich Barracudas soweit ist, darf noch ein paar Nächte lang geträumt werden.